Wer den Winter über konsequent auf der Rolle trainiert hat, startet oft mit einer beeindruckenden Form in die Saison. Die eigentliche Herausforderung wartet allerdings beim ersten Mal auf dem Asphalt: Das Pacing. Eine gut durchdachte Pacing-Strategie ist hierbei entscheidend. Während dich der Smart-Trainer im ERG-Modus starr auf Kurs hält, musst du draussen lernen, deinen ‚Motor‘ selbst zu steuern. Gerade bei Zielen wie dem Ötztaler Radmarathon, dem Alpenbrevet oder einem Ironman entscheidet das richtige Pacing über Erfolg oder Einbruch.

Die Basis: Kenne dein Ziel und dein System

Bevor du die erste Kurbelumdrehung machst, musst du zwei Fragen beantworten:

  1. Welches energetische System möchte ich heute trainieren?
  2. Auf welches Event bereite ich mich spezifisch vor?

Gutes Pacing beginnt im Kopf. Es bringt nichts, auf der Strasse wahllos Wattwerte zu jagen. Du musst verstehen, ob du gerade deine aerobe Basis festigst oder deine anaerobe Schwelle verschiebst.

Die ‚Hügel-Falle‘: Warum kurze Sprints dein Training ruinieren

Ein klassischer Fehler bei Outdoor-Sessions in hügeligem Gelände: Kurze Anstiege von 30 Sekunden bis drei Minuten werden ‚weggedrückt‘. Man verlässt den geplanten Schwellenbereich und landet sofort im hoch-anaeroben Bereich.

  • Stoffwechsel-Fehlsteuerung: Diese kurzen, intensiven Peaks (ab 20 Sekunden) entscheiden massgeblich darüber, wie sich dein Stoffwechsel adaptiert. Wenn du diese Spitzen zu oft setzt, bleibt dein anaerobes System dominant.
  • Das Problem: Bei einem Ironman oder einem Alpen-Event brauchst du ein hochoptimiertes aerobes System. Zu viele anaerobe Ausreisser triggern die falschen Anpassungen und machen dich für die Langstrecke weniger effizient. Du trainierst dann schlicht am Ziel vorbei.

Passfahrten: Ego-Kontrolle am Fusse des Berges

Gerade an Pässen wie beim Alpenbrevet zeigt sich oft das gleiche Bild: Die ersten Minuten im Aufstieg werden viel zu intensiv gefahren. Das Gefühl ist super, das Adrenalin hoch – doch nach 10 Minuten bricht die Leistung ein und die Trittfrequenz sinkt spürbar.

Training Tipps für den Pass:

  • Lass dich überholen: Es braucht Selbstbeherrschung, schon unten im Anstieg andere vorbeiziehen zu lassen. Bleib konsequent bei deinem Pacing-Plan.
  • Konstante Performance: Ein sauberes Pacing bedeutet, dass du den zweiten Teil des Passes mit demselben Druck fährst wie den ersten Teil.

Fun Fact: Fun Fact: Wenn du mit jemandem fährst, der eigentlich gleich stark ist, aber zu schnell startet, werdet ihr vermutlich zur selben Zeit oben ankommen. Die Zeit, die er am Anfang rausholt, verliert er gegen Ende meistens wieder.
Der entscheidende Unterschied: Du hast in der richtigen Intensität trainiert und dein aerobes System gestärkt. Dein Trainingspartner ist die ersten Minuten viel zu intensiv gefahren, hat Laktat akkumuliert und im zweiten Teil keine wirkliche Trainingsqualität mehr erzielt.

Monitoring: Die Gefahr der ‚Energievernichtung‘

Die eigentliche Weiterentwicklung findet nicht während der Belastung statt, sondern in der Erholung. Ein entscheidender Fehler bei 6 bis 12 Stunden Training pro Woche ist eine falsche Intensitätsverteilung. Zu viel Zeit in den hohen Zonen führt – kombiniert mit Alltagsstress – schnell in die Erschöpfungsfalle statt in den Aufbau.

Die 60-90 Minuten-Faustregel für maximale Performance

Um dich vor Überlastung zu schützen und deine Form gezielt zu optimieren, gilt folgende Regel:

Trainiere pro Woche maximal 60-90 Minuten akkumuliert über deiner anaeroben Schwelle. 

Diese Zeitvorgabe gilt für die Summe aus Radfahren und Laufen. Um deine Performance zu optimieren, sind gezielte Intervalle rund um die anaerobe Schwelle essenziell.

  • Dosierung: Zwei gezielte Einheiten pro Woche sind absolut ausreichend, um den nötigen Trainingsreiz zu setzen.
  • Aufteilung: Du kannst diese 60-90 Minuten flexibel aufteilen – zum Beispiel eine Einheit auf dem Rad und eine beim Laufen, oder sportartspezifisch gebündelt.
  • Präzision: Steuere deine Schwelle exakt an, aber vermeide die hoch-anaeroben Peaks darüber. Der Rest deiner Trainingszeit (bei 6 bis 12 Stunden Gesamtumfang) sollte konsequent im tiefen aeroben Bereich (GA1 / Medium) stattfinden.

Strategisch fahren statt blind treten: Die Kunst der Pacing-Kontrolle

Das Indoor-Training auf dem Velo liefert dir die PS, aber die Strasse lehrt dich, den Tankinhalt klug einzuteilen. Wer lernt, sein Ego am Hügel zu kontrollieren und die anaeroben Peaks zu vermeiden, wird am Wettkampftag die grössten Reserven haben. Es geht nicht darum, der Stärkste auf den ersten Kilometern zu sein, sondern die erarbeitete Fitness über die gesamte Distanz konstant und ökonomisch abzurufen. Wer diese Disziplin in seinen Trainingsalltag integriert, verwandelt rohes Potenzial in eine präzise steuerbare Leistungsfähigkeit, die dich sicher durch jedes sportliche Ziel bringt.

Webinar Review: Bereit für draussen – So gelingt der Einstieg in die Radsaison

Hier kannst du das Webinar anschauen, welches dir noch mehr Inputs zum Thema liefert.

Als ambitionierter Radfahrer oder Langdistanz-Triathlet kennst du die Unsicherheit: Wo genau liegt eigentlich mein echtes Grundlagen-Tempo in einer Standard Trainingszonen? In der täglichen Trainingspraxis schlummert hier enormes Potenzial, doch oft wird es verschenkt. Trainierst du gefühlt «zu locker», hast du das Gefühl, wertvolle Zeit im Umfangtraining zu vergeuden. Trainierst du hingegen nur einen Tick zu hart, verändert sich dein individuelles Stoffwechselprofil während der Einheit.

Statt die aerobe Basis zu stärken, rutschst du in einen Bereich, der einen anderen Trainingsreiz auslöst und deine Regeneration massiver belastet. Das Problem: Herkömmliche Standard-Trainingszonen sind oft zu unpräzise, um diesen schmalen Grat zu treffen. Ein individuelles Stoffwechselprofil liefert dir hingegen die nötige Klarheit, um weder Zeit zu verlieren noch im Übertraining zu landen. Wie du diese physiologische Präzision für deine Bestzeit nutzt, erfährst du in diesem Blog.

Die physiologische Basis – Warum Standard Trainingszonen oft blenden

Um zu verstehen, warum wir von einer reinen Zonen-Steuerung wegkommen müssen, werfen wir einen Blick auf die kardiovaskuläre und metabolische Komponente deines Körpers. Während herkömmliche Standard Trainingszonen auf simplen Prozentwerten der FTP basieren, arbeitet dein Körper nach biologischen Schwellenwerten und Substratumsätzen. Diese werden massgeblich von zwei Parametern bestimmt: der VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme) und der Vlamax (maximale Laktatbildungsrate). Was über dein individuelles Stoffwechselprofil ausgegeben wird.

Die Dominanz der Stoffwechselwege

Die Vlamax beschreibt die maximale glykolytische Rate, also wie schnell dein Körper Laktat produzieren und damit Energie aus Kohlenhydraten gewinnen kann. Sie ist der Gegenspieler zur VO2max, die das aerobe Potenzial definiert. Wer sich nur auf Standard Trainingszonen verlässt und die Vlamax ignoriert, trainiert im physiologischen Blindflug.

  • Der ‚Diesel‘ (Niedrige Vlamax): Dieser Langdistanz-Typ verfügt über eine hohe Kapazität zur Sauerstoffaufnahme bei gleichzeitig niedriger Laktatproduktion. Er kann bei 80 % seiner FTP noch massgeblich Fette zur Energiegewinnung heranziehen. Sein Glykogenspeicher wird nur mit ca. 50–60 Gramm pro Stunde belastet.
  • Der ‚Sprinter‘ (Hohe Vlamax): Dieser Typ hat eine hohe Laktatbildungsrate. Selbst bei moderaten Intensitäten wie 70 % seiner FTP (mitten in den Standard Trainingszonen für GA1 bzw. Zone 2) produziert er bereits so viel Laktat, dass der Fettstoffwechsel enzymatisch unterdrückt wird. Er verbrennt vermehrt Kohlenhydrate, was einen völlig anderen Trainingsreiz hervorruft.
Vergleich von individuellem Stoffwechselprofil und herkömmlichen Standard Trainingszonen zur Optimierung der Fatmax

Bild: Vergleich Fatmax bei identischer VO2max und unterschiedlicher Vlamax – grüne und rote Line stellen den Fett resp. Kohlenhydrat verbrauch dar.

In einem Standardmodell trainieren beide in der ‚gleichen Zone‘. Doch der metabolische Reiz ist grundverschieden. Während der eine seine Ökonomisierung verbessert, trainiert der andere ungewollt in einem Bereich mit hohem Kohlenhydratverbrauch, was den Organismus völlig anders belastet.

Planung vs. Monitoring – Warum wir das Modell trennen

Ein häufiges Missverständnis im Ausdauersport ist die Annahme, dass man Standard Trainingszonen braucht, um das Training aktiv zu steuern. In der modernen Trainingswissenschaft verfolgen wir einen differenzierteren Ansatz: Wir planen nach dem metabolischen Profil, aber wir monitoren in einem klaren 4-Zonen-Modell.

Warum Monitoring in Zonen wichtig ist

Zonen sind kein Werkzeug zur Steuerung der Intensität einer einzelnen Einheit, sondern ein Werkzeug zur Analyse der Lastverteilung (Training Intensity Distribution) über Wochen und Monate. Um diese Analyse präzise, aber handhabbar zu machen, arbeiten wir bei MY sport mit einem Modell aus vier klar definierten Bereichen, die deutlich aussagekräftiger sind als starre Standard Trainingszonen:

  1. Erste Zone (Basic): Bereich für die aktive Regeneration und die grundlegende Basisentwicklung.
  2. Zweite Zone (Medio): Das klassische Grundlagentraining. Es umfasst den Bereich bis knapp unter die individuelle anaerobe Schwelle.
  3. Dritte Zone (Anaerobe Schwelle): Alles rund um deine anaerobe Schwelle. Je nach Vlamax wird diese Zone individuell justiert.
  4. Vierte Zone (Hoch-anaerob): Der hochanaerobe Bereich. Hier landet alles, was deutlich über der Schwelle liegt – zum Beispiel kurze Belastungsspitzen am Berg.

Dieses Modell fungiert als ‚Buchhalter‘. Es zeigt uns am Ende der Woche: Hat der Athlet die Vorgaben umgesetzt? Wie viel Zeit wurde im «roten Bereich» verbracht, der ausserhalb der geplanten Intensitäten liegt?

Das 4-Zonen-Modell von MY sport für präzises Monitoring anstelle von pauschalen Standard Trainingszonen

Bild: 4-Zonen-Modell zum Monitoring von Intensitäten und Herzfrequenzwerten

Exkurs: Die Herzfrequenz als biometrischer Kompass

Auf dem Velo ist die Wattmessung dein wichtigstes Werkzeug für ein präzises Pacing. Die Wattwerte definieren die mechanische Last (externe Last), die du unmittelbar auf die Pedale bringst. Doch während die Watt dein aktives Steuerungstool sind, fungiert die Herzfrequenz (HF) als dein unverzichtbarer Monitor. Sie reflektiert die physiologische Antwort deines Körpers – die interne Last.

Da die Herzfrequenz ehrlich ist und direkt auf Faktoren wie Hitze, Stress, Dehydrierung oder Ermüdung reagiert, liefert sie uns im Monitoring entscheidende Erkenntnisse:

  • Decoupling-Analyse (Cardiac Drift): Bleibt deine Watt-Leistung über eine lange Einheit konstant, während die Herzfrequenz stetig ansteigt? Dieser «Cardiac Drift» zeigt uns im Monitoring, dass der metabolische Stress deutlich höher war als geplant. Auch wenn du die Standard Trainingszonen der Watt gehalten hast, ist dein Herz-Kreislauf-System bereits in eine höhere Belastung abgewandert. Dein individuelles Stoffwechselprofil wurde hierbei anders beansprucht, als es die reine Wattzahl vermuten liess.
  • Entwicklungs-Check: Sinkt deine Herzfrequenz bei identischer Watt-Intensität über mehrere Wochen hinweg? Das ist das sicherste Zeichen für eine verbesserte aerobe Effizienz. Es zeigt uns schwarz auf weiss, dass dein Körper ökonomischer arbeitet und die geplante Intensität besser verarbeitet.

Wir nutzen die Herzfrequenz also nicht, um dein Tempo zu bestimmen – das machen die Watt. Wir nutzen sie, um zu verstehen, was die Watt mit deinem Körper machen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass das Training genau den Reiz setzt, den dein individuelles Stoffwechselprofil aktuell benötigt.

Präzise Steuerung durch das metabolische Profil

Im Gegensatz zur Arbeit mit Standard Trainingszonen nutzt die Planung (Präskription) bei MY sport dein individuelles Stoffwechselprofil. Wir definieren exakte Zielwerte basierend auf der Interaktion von VO2max und Vlamax.

Standard Trainingszonen

Bild: Komplexes metabolisches Profil mit den verschiedenen Intensitäten Zonen unabhängig.

Nuancen in der Basic-Zone

Wir arbeiten in der Basic-Zone mit bis zu acht verschiedenen Intensitätsstufen. Ein Beispiel: Auf der Rolle ist die Variabilität gering; wir geben exakt 149 Watt vor. Outdoor erweitern wir das Fenster (‚GA1 Basic +‘ bei 142–199 Watt), um fahrtechnische Freiheit am Berg zu ermöglichen.

Gefährlich wird es, wenn Athleten die Outdoor-Intensität starr auf die Rolle übertragen. Wer sich im ERG-Modus blind am oberen Rand der Standard Trainingszonen orientiert, riskiert eine zu hohe glykolytische Rate. Die Folge: Die muskulären Speicher leeren sich so stark, dass die neuronale Erholung stagniert. Das Intervalltraining am Folgetag wird zur Qual, weil das System energetisch bereits im roten Bereich arbeitet.

Der entscheidende Mehrwert für die Langdistanz

Für Langdistanz-Radfahrer und Triathleten ist die metabolische Effizienz die wichtigste Währung. Wer 180 Kilometer radelt und danach noch einen Marathon läuft, darf seine Kohlenhydratspeicher nicht durch falsch gewählte Standard Trainingszonen ‚verbrennen‘.

Die Vlamax-Strategie: Motorgrösse vs. Ökonomie

Je nach Zielsetzung sieht dein Plan bei MY sport komplett anders aus: Willst du die aerobe Kapazität (VO2max) erhöhen oder die Glykolyserate (Vlamax) senken? Wer sich nur an Standard Trainingszonen orientiert, ignoriert diese strategische Weichenstellung.

  • Der starke Motor: Ein Athlet, der aerob bereits gut entwickelt ist, benötigt spezifische Intervalle, um die ‚Motorgrösse‘ (VO2max) weiter zu vergrössern.
  • Die Laktat-Bremse: Ein Athlet mit einer zu hohen Vlamax muss hingegen lernen, hohe Intensitäten konsequent zu meiden. Er muss seinen Fettstoffwechsel schützen, anstatt ihn durch zu intensive Einheiten zu blockieren.

Vermeidung von «Laktat-Fallen» durch präzises Monitoring

Besonders wertvoll ist das Monitoring im hoch-anaeroben Bereich (Zone 4). Wir analysieren genau, wie viel Zeit pro Woche du in diesem Bereich verbringst. Wenn ein Athlet unbewusst zu viele ‚Peaks‘ fährt, zeigt uns das Monitoring sofort, warum die Ausdauer stagniert:

Jede Spitze über der Schwelle – bereits ab einer Dauer von 20 Sekunden – produziert Laktat. Dieses Laktat hemmt die Fettverbrennung für die nachfolgende Zeit massiv. Schlimmer noch: Der Organismus erhält das Signal, weiterhin Laktat aufzubauen, da diese Energiebereitstellung ständig verlangt wird. Man trainiert sich also ungewollt in eine energetische Sackgasse.

Die Lösung: Ökonomisierung des Motors

Um den Motor wirklich zu ökonomisieren und die Vlamax zu kontrollieren, setzen wir auf gezielte Reize statt auf pauschale Standard Trainingszonen. Längere Intervalle von 8 bis 15 Minuten mit tiefen Kadenzen (Low Cadence) rund um die Schwelle sind hier das Mittel der Wahl. Sie helfen dabei, die muskuläre Effizienz zu steigern, ohne das System durch unnötige Laktatspitzen zu fluten.

Fazit: Dein Stoffwechsel ist dein Kompass

Die Erkenntnis für dich als Athlet: Du musst nicht mehr raten. Ein Modell aus Standard Trainingszonen ist ein hervorragender Buchhalter – es dokumentiert deine Arbeit über das Jahr hinweg.

Doch der Architekt deines Trainings ist dein individuelles metabolisches Profil. Indem wir die Planung radikal an deinen physiologischen Fakten ausrichten, stellen wir sicher, dass jede Einheit ein Investment in deine Bestzeit ist.

Hör auf, dich in starren Prozent-Tabellen zu verlieren. Dein Stoffwechsel ist so individuell wie dein Fingerabdruck. Nutze die Zonen zum Monitoring und die individuellen Intensitäten zur Jagd auf deine Ziele!

Weiterführende Blogs zu dem Thema:

GA1 im Ausdauertraining – Warum dieser Bereich deine Leistung langfristig bestimmt

VLamax in einer Leistungsdiagnostik bestimmen: Ein Überblick

Zonen & Intensitäten: Ein wichtiger Unterschied in der komplexen Welt der Trainingsplanung

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